Mittwoch, 2. Mai 2018

Mai-Trunk, aromatisches Getränk mit langer Tradition

Mai-Bowle oder Maitrunk war ein beliebtes Frühjahrsgetränk mit aromatischem Waldmeister und anderen Kräutern
Mai-Bowle, Mai-Trunk, Mai-Wein

Zu den beliebtesten Getränken des Frühjahrs zählt die aromatische Mai-Bowle. Wein, Sekt und Waldmeister-Aroma sind ihre Hauptbestandteile. Während man sie heute als geistiges Getränk mit wunderbarem Geschmack schätzt, kannte man den Mai-Wein einst als stärkenden Trank. Die berauschende Komponente war neben den würzenden Eigenschaften sicher eine erwünschte Wirkung des Waldmeisters.

Waldmeister, die Heilpflanze


In alter Zeit galt Waldmeister als wichtiges Heilkraut. Traditionell nutzte man seine schlafförderne Wirkung, schätzte seine positive Wirkung auf die Verdauung und schrieb ihm wundheilende Kräfte zu.
Die Rauschwirkung prädestinierte Waldmeister geradezu als Beigabe für alkoholische Getränke. Schon die Kelten sollen ihn in dieser Weise genutzt haben.
Alte Aufzeichnungen des frühen Mittelalters belegen, das man Frühlingskräuter verwandte um Wein bekömmlicher zu machen. Zu ihnen zählte neben Waldmeister meist Gundermann, Erdbeerblätter und die Blätter der schwarzen Johannisbeere.

Einen derart aufgepeppten Wein trank man, am besten täglich, um seine Lebensgeister zu erwecken.

Mai-Trunk, ein überliefertes Rezept


Neben den heute üblichen Zubereitungen einer Mai-Bowle, sind alte Rezepturen kaum in Gebrauch. Doch in alten Schriften kann man fündig werden. Ein Rezept aus dem 19. Jahrhundert möchte ich hier vorstellen.

Als Kräuter benötigte man Gundermann, Erdbeerblätter, Johannisbeerblätter der schwarzen Beeren, und natürlich Waldmeister.
Die Mengenangaben für 1 -1,5 Liter Weißwein lauteten jeweils auf 1 Loth, was etwa 15 Gramm entspricht.
Dazu kamen etwa 50 g Zucker.

Alte Rezepte für Mai-Trunk, natürliches Gesundheits-Mittel
Waldmeister,Gundermann,Erdbeere,Johannisbeere

Die Kräuter kamen in ein Gefäß und wurden mit dem Wein übergossen. Nach 2 Stunden entfernte man die Kräuter und das Getränk war servierfertig.

Nach der gleichen Methode stellte man eine Essenz her, die der Bevorratung diente:

Dabei verdoppelte man die Menge der Kräuter und ließ diese über Nacht im Wein ziehen. Anschließend wurde die Essenz in Flaschen abgefüllt. Von diesem Kräuteransatz wurden bei Bedarf 1/4 l zu 3/4 l Weißwein gegeben

Waldmeister und Cumarin


Die Duft verströmende Komponente von Waldmeister ist das Cumarin. Es gilt heute als lebertoxisch. Strenge Vorschriften sollen die Verbraucher vor einer schädigenden Menge Cumarin in der Nahrung schützen. Als unbedenklich gelten heute etwa 3g Waldmeisterkraut auf 1 Liter Wein. Das Rezept weist etwa die 5fache Menge aus. Wer dieses alte Rezept ausprobieren möchte, muss daher die Menge des Waldmeister auf 3g/l reduzieren.


Waldmeister-Bowle mit Limette


In unsere Zeit hat die Zubereitung als Bowle den Mai-Trunk verdrängt. Ein aromatisches Getränk gelingt mit folgendem, simplen Rezept:

Als Zutaten benötigt man


1,5 Liter Weißwein
1 Bund Waldmeister (leicht welk)
2 Limetten
0,75 Liter eisgekühlter Sekt
eventuell Zucker, bis 100 g

Zubereitung der Mai-Bowle


Als erstes gibt man Weißwein in ein Bowlen-Gefäß, nun den Waldmeister ohne Stiele zufügen und darin maximal zwei Stunden lang ziehen lassen. Anschließend die Blätter entfernen und die in Scheiben geschnittenen Limetten hinzufügen. Danach wird Zucker dazugeben und umgerührt. Erst kurz vor dem Servieren kommt der eisgekühlte Sekt hinzu.

Mein Fazit


Ich schätze beide Zubereitungs-Arten. Waldmeister-Bowle schmeckt spritzig aromatisch. Den Mai-Trunk verwende ich, wie einst empfohlen, als stärkendes Frühjahrs-Tonikum.

Wer Waldmeister in seiner Nähe findet, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diese leckere Bowle selbst zu machen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen